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Die Artillerie heute und in Zukunft

Rückblick auf den Voirtrag vom 18. März 2026

«Die Artillerie hat eine Zukunft»

Die Ausrüstung der Schweizer Artillerie wurde vernachlässigt, bis der Ukraine-Krieg deren Bedeutung sichtbar werden liess. Oberst i Gst Stefan Holenstein machte in seinem Referat beim Verein Schweizer Armeemuseum (VSAM) klar, dass schwere Waffen durchaus eine Zukunft haben.

Im Kalten Krieg hatte die Schweizer Armee die notwendige Feuerkraft der Artillerie: Rund 900 Artilleriegeschütze – gezogene und selbstfahrende – wären gegen einen potenziellen Gegner zum Einsatz gekommen. Nach dem Fall der Mauer wurde alles anders. Heute sind noch wenig mehr als 100 Panzerhaubitzen vorhanden, die zudem 60 Jahre alt sind und bald am Ende ihrer Lebensdauer angekommen sind. Trotz neuer Kampfmittel auf dem Schlachtfeld – beispielsweise Drohnen – seien für die Rückeroberung und das Halten von Gelände starke Bodentruppen unverzichtbar, so der Referent Oberst i Gst Stefan Holenstein. Und weitreichende Artillerie – das heisst mit Wirkung auf 50 und mehr Kilometer, um auch die Logistik und den Nachschub zu stören – sei heute notwendig. Er begrüsst deshalb die beschlossene Beschaffung von modernen Geschützen auf Radpanzerplattformen, auch wenn die Anzahl von 32 Exemplaren vergleichsweise gering ausfällt. Zusammen mit den neuen mobilen Mörsern werde aber die Verteidigung gestärkt.

Der Blick in die übernächste Geländekammer – militärisch ausgedrückt – umfasst für ihn die Beschäftigung mit Raketenartillerie. «Die Bedrohung für die Schweiz sind weitreichende Waffen und Lenkflugkörper. Also müssten wir in der Lage sein, deren Abschussbasen zu bekämpfen, sonst sind wir ziemlich hilflos», so Holenstein.

Als ehemaliger Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft und aktueller Präsident des Verbands militärischer Gesellschaften kennt Holenstein die Armeesituation genau. Reine Materialbeschaffung reicht nicht: «Wir brauchen mehr kampfbereite Truppen und müssen den Bestand sichern.» Ein Weg: Den Wechsel in den Zivildienst erschweren – er kostet die Armee jährlich fast eine Brigade. Frauen sollten zudem stärker angesprochen werden.

Neben diesen Aussagen zur Zukunft der Armee im Allgemeinen zeigte der Referent auf, wie die Armee durch den Verbund von Sensoren am Boden und in der Luft sowie die Digitalisierung modernisiert werde. Keinen Hehl machte er daraus, dass die Fähigkeit zur Verteidigung grosse finanzielle Mittel erfordern wird. «Doch die Schweiz kann sich diese leisten, der Wille muss aber da sein.» Er spricht von einer Grössenordnung von 50 Milliarden Franken, wenn neben modernem Material auch die Munition und die Infrastruktur eingerechnet werden, welche man in den letzten 30 Jahren vernachlässigt habe. Angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa sei aber klar: Die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Armee steht nun im Fokus. Und wie die zahlreichen Konflikte weltweit bestätigen: Der konventionelle Krieg, geführt unter anderem mit den Mitteln von Panzern und Artillerie, ist zurück.

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Foto: Thomas Wermelinger