Der grosse Unbekannte Der Armeestab im Zweiten Weltkrieg
Rückblick auf den Vortrag vom 21. Januar 2026
Die grosse Schweizer Figur des Zweiten Weltkrieges in der Öffentlichkeit ist zweifellos Henri Guisan. Dass der General die Armee nicht im Alleingang führen konnte, ist einleuchtend. Der Historiker Marco Jorio erläutert beim Verein Schweizer Armeemuseum in Thun, wer im Hintergrund die Arbeit machte.
Kaum bekannt, aber unverzichtbar: Der Armee- respektive Generalstab steht bis heute im Schatten Guisans. Dabei war diese Formation für die Ausarbeitung und Umsetzung von Guisans Befehlen verantwortlich. Zeitweise waren über 2000 Personen dort tätig – von den Offizieren und Mannschaften, der Übermittlung oder der Wache bis zu den zahlreichen Angehörigen des Frauenhilfsdienstes sowie den Zivilangestellten.
Dennoch sind kaum Spuren des Armeestabes aus dem Zweiten Weltkrieg vorhanden, die Forschung hat sich bisher kaum damit beschäftigt, wie der Historiker Marco Jorio in seinem Vortrag erläuterte – und bedauerte. Die Aufteilung der Zuständigkeiten und Verantwortungen sowie die nicht einfache Zusammenarbeit der verschiedenen Stäbe allein wäre ein Kapitel für sich.
Der eher bekannte «persönliche Stab» des Generals war aus heutiger Sicht eine PR-Abteilung, um diesen möglichst gut dastehen zu lassen. Und Guisan selber versuchte, sich möglichst vom Armeestab fern zu halten. Insbesondere zu den beiden Kommandanten des Stabes während des Aktivdienstes – der Thurgauer Jakob Labhart und der Aargauer Jakob Huber – war die Beziehung nicht immer gut.
Nebst diesen Blicken hinter die Kulissen brachte Oberst i Gst aD Marco Jorio den Besuchern die Organisation dieser grossen Einheit mit ihren zahlreichen Abteilungen und Unterabteilungen näher, erzählte von Gesprächen mit Augenzeugen aus den durch die Anzahl einzuquartierender Personen sehr geforderten Standortgemeinden im Raum Bern, im Emmental und im Berner Oberland und erläuterte die stetig wachsenden Aufgaben genauer.
Aus diesen Ausführungen ergab sich die Erkenntnis, dass der Raum längs der Aare von Bern bis zum Brienzersee das «Epizentrum» der Armeeführung während den sechs Jahren des Aktivdienstes war. Und dass es auch heute noch Lücken in der Schweizer Militärgeschichte gibt, die zu füllen wären.
Bilder: Thomas Wermelinger