Revolutionär, Opportunist oder Held?
Thomas Legler (1782-1835)
Rückblick auf den Vortrag vom 12. November 2025
Die Schweizer in fremden Diensten
Zum Abschluss der Vortragserie 2025 hatte der Verein Schweizer Armeemuseum (VSAM) zum rethorischen Feuerwerk geladen: In seiner unnachahmlichen Art referierte Div aD Fred Heer über die Schweizer Söldnerdienste und den Russlandfeldzug Napoleons – und relativierte dabei zumindest teilweise die Legenden um Thomas Legler.
Das Vortragsthema war eigentlich das Schicksal von Thomas Legler (1782-1835), bekannt als Kämpfer und Sänger an der Beresina. Der Glarner Berufsoffizier lebte in einer Zeit der Kriegswirren in Europa, das Söldnertum war neben dem robusten Vieh einer der damaligen Exportschlager. Der Referent nutzte das Wirken Leglers als roten Faden, um die Einsätze der Schweizer in Fremden Diensten in ganz Europa darzustellen. Der Weg führte Thomas Legler für den französischen Herrscher Napoleon bis kurz von Moskau und in einer verlustreichen Schlacht zurück über die Beresina – eine militärische Heldentat.
Doch Fred Heer zeigte nicht nur die Kriegszüge im Schnellzugstempo auf, die Legler als einer von vielen Schweizern mehr oder weniger freiwillig mitmachte – von den 9000 Eidgenossen überlebten nur rund 300 Mann. Er relativierte dabei das Selbstbild der Schweizer aus den Schulstunden, da auch die Holländer, die Kroaten und die Polen den erfolgreichen Rückzug der Franzosen deckten. Heer zog laufend Parallelen zu aktuellen Problemen, politischen Fragestellungen oder Auseinandersetzungen in Europa – gerade zum Krieg gegen die Ukraine, die sich geographisch im Raum von Napoleons Kriegszug abspielt.
Fred Heers Fazit als anerkannter Historiker: Die Verehrung und Heldenerzählungen, die Thomas Leglers Namen auch heute oftmals begleiten, entspricht kaum dessen wahren Bedeutung. Der Glarner war einer unter vielen, die in den damaligen Zeiten ums (Über)Leben kämpften.
Hier get’s zum Video des Vortrrages
Fotos: Thomas Wermelinger