Die Parabellum-Pistole in der Schweizer Armee
Rückblick auf den Vortrag vom 17. September 2025
Die Parabellum – eine Pistole mit Kultstatus
Der Verein Schweizer Armeemuseum (VSAM) hatte einen Kenner eingeladen: Der Thuner Historiker Alexander Stucki brachte dem Publikum mit seinem Vortrag die Geschichte der Parabellum Pistole in der Schweizer Armee näher.
Um 1900 setzte die Schweizer Armee international Massstäbe: Sie war die erste Landstreitkraft, die Offiziere mit der damals hochmodernen Parabellum-Selbstladepistole ausstattete. Zwischen 1901 und 1946 wurden schliesslich über 60‘000 Exemplare in den Versionen 1900, 1900/06 und 06/29 der anspruchsvollen, aber hervorragenden Handfeuerwaffe beschafft. Im militärischen Einsatz war die Parabellum in der Schweiz bis in die 1990er-Jahre.
Viele Offiziere waren mit dieser neuartigen Waffe überfordert, nicht zuletzt, weil die Armee die Ausbildung vernachlässigt hatte. Die Pistole genoss deshalb den zweifelhaften Ruf, zwar eine gute Stand- aber keine Kriegswaffe zu sein. Alexander Stucki ging nicht nur auf die Entwicklung der Waffe ein, zeigte auch die technischen Unterschiede der Varianten und erzählte schmunzelnd, dass die Eidgenössische Waffenfabrik Bern quasi eine „Raubkopie“ der ursprünglich von den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken (DWM) gefertigten Pistole baute. Dies wurde nötig, da im Ersten Weltkrieg keine Waffen mehr von Deutschland geliefert wurden. „Lizenzgebühren wurden nie eingefordert oder entrichtet“, so der Referent.
Während sich sogar der Nationalrat mit der Frage beschäftigen musste, ob die Parabellum die richtige persönlicher Bewaffnung der Offiziere darstellte, hatten die Schützen ihre Freude an dieser Waffe. Alexander Stucki wies mehrmals darauf hin, dass diese massgeblichen Einfluss mit ihrer Erfahrung und Wünschen auf die technische Entwicklung hatten. „Im Gegensatz zum Ausland sind die Bedürfnisse in der Schweiz mit ihren vielen privaten Schützen anders: Die Pistole musste im Schiessstand äusserst präzise sein, während zum Selbstschutz eher Zuverlässigkeit gefordert war.“
Bis heute erfreuen sich Sammler an seltenen Varianten und Prototypen der Kultpistole, etwa mit dem Kaliber 9 mm statt 7,65 mm oder Exemplaren, die lange nach Produktionsende noch aus Einzelteilen montiert wurden.
Der Referent Alexander Stucki ist ein Kenner dieser Waffe und hat unter anderem im Verlag Schweizer Armeemuseum ein Buch über die «Pistolenpatrone 03 – Die Patrone der Schweizer Parabellum Pistolen und deren Varianten» herausgegeben. Das nach den Patronen in absehbarer Zeit die Pistole an sich Gegenstand eines Buches wird, wurde am Vortragsabend bestätigt.
Hier geht’s zum Video des Vortrages