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Eidgenössische Militärunternehmer,

16. – 19. Jahrhundert

Rückblick auf den Vortrag vom 9. September 2026

Schweizer Solddienst war mehr als ein militärisches Geschäft

Historiker Prof. Dr. André Holenstein zeigte in seinem Vortrag beim Verein Schweizer Armeemuseum (VSAM) in Thun, aus welchen Gründen während Jahrhunderten zahlreiche Männer aus der Eidgenossenschaft für ausländische Mächte kämpften.

Der emeritierte Professor für ältere Schweizer Geschichte an der Universität Bern zeigte, wie eng Solddienst, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft während Jahrhunderten miteinander verflochten waren. Vom 15. bis ins 19. Jahrhundert traten mehrere hunderttausend Männer aus der damaligen Eidgenossenschaft in den Dienst verschiedener ausländischer Mächte. Holenstein ordnete die fremden Dienste als wichtigste temporäre militärische Arbeits- und Karrieremigration der Schweizer Geschichte ein. Im 17. Jahrhundert standen je nach Region schätzungsweise 10 bis 30 Prozent der erwachsenen Männer zeitweise in fremden Diensten.

Dabei widersprach Holenstein der verbreiteten Vorstellung, die Eidgenossen seien vor allem aus Armut Söldner geworden. Nach Holenstein war nicht allein Armut ausschlaggebend. Europäische Mächte suchten Soldaten, während Männer aus der Eidgenossenschaft bereit waren, in fremde Dienste zu treten. Ihre strategische Lage an wichtigen Alpenübergängen, ihre militärischen Erfolge und die Nähe zu den europäischen Kriegsschauplätzen begünstigten dieses Geschäftsmodell.

Militärunternehmer als Schlüsselfiguren
Eine wichtige Rolle spielten private Militärunternehmer. Sie warben Soldaten an, finanzierten und organisierten Kompanien und pflegten Beziehungen zu ausländischen Herrschern sowie zur Politik in ihren Heimatkantonen. Für zahlreiche einflussreiche Familien wurden die fremden Dienste über Generationen zu einer Quelle von Geld, Macht und Ansehen. Die Folgen reichten weit über das Militär hinaus: Der Solddienst beeinflusste Staatsfinanzen und Machtverhältnisse ebenso wie Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Rückkehrer brachten Fremdsprachenkenntnisse, neue Konsumgewohnheiten und kulturelle Einflüsse in die Eidgenossenschaft.

Ein Geschäftsmodell mit Kritikern
Unbestritten war der Solddienst nie. Reformatoren wie Huldrych Zwingli und Heinrich Bullinger verurteilten das Töten gegen Bezahlung aus religiösen Gründen. Im 18. Jahrhundert kritisierten Reformer den Verlust heimischer Arbeitskräfte, im 19. Jahrhundert geriet der Dienst von republikanischen Schweizern für ausländische Monarchien zunehmend in die Kritik.

Holenstein betonte, dass die Eidgenossenschaft trotz ihrer zunehmenden Distanz zu den Kriegen der Grossmächte wirtschaftlich mit ihnen verbunden blieb. Sie war Teil eines grenzüberschreitenden Marktes für Soldaten, Kapital und weitere kriegswichtige Ressourcen. Die Eidgenossenschaft hielt sich damit aus den Kriegen heraus, blieb aber am europäischen Kriegsgeschäft beteiligt.

Video des Vortrages