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Der passive oder blaue Luftschutz der Schweiz

Rückblick auf den Vortrag vom 19. März 2025

Das Ziel war der Schutz der Zivilbevölkerung

Die Überkleider und Uniformen gaben ihm den Namen: der Blaue oder Passive Luftschutz war eine Reaktion auf die ersten Bombardemente von Städten weit hinter der eigentlichen Front im Ersten Weltkrieg. Wie Jürg Burlet beim Verein Schweizer Armeemuseum (VSAM) in Thun aufzeigte, wurde der Dienst erst belächelt, nach Ernsteinsätzen im Aktivdienste dann aber geschätzt.

 Der Passive Luftschutz wurde mit Bundesratsbeschluss vom 29. September 1934 ins Leben gerufen und alle grösseren Gemeinden zur Aufstellung einer Luftschutzorganisation verpflichtet. Er war ausschliesslich aus Freiwilligen gebildet und umfasste im Zweiten Weltkrieg: 24 örtliche Bataillone, vier mobile Bataillone und 13 selbständige Luftschutzkompanien. Der Auftrag: Schutz der Zivilbevölkerung oder deren Unterstützung bei Ereignissen, beispielsweise nach Bombenabwürfen. Und davon gab es im Aktivdienst einige, teils mit grossen Sachschäden und etlichen Opfern. Die Freiwilligen erfüllten diese Aufgaben ab 1934 mit viel Engagement und waren neben dem Aktiven Luftschutz – der Abwehr feindlicher Angriffe mit Flugzeugen und Kanonen – nicht mehr wegzudenken.

Der Referent beleuchtete entsprechende Vorbereitungen in den Nachbarländern, konzentrierte sich dann mit seinen Erläuterungen, Bildern und Anschauungsmaterial auf die Schweiz. Insbesondere die Erwähnung von Eimerspritzen, Feuerpatschen und Sandvorräten in den (leergeräumten) Estrichen schienen bei vielen der Vortragsbesucher Erinnerungen zu wecken. Zu den Aufgaben des Luftschutzes gehörten aber auch die Alarmierung, die Unterstützung von Sanität und Polizei oder die Kontrolle der Verdunkelung. Gerade letzteres sorgte laut Jürg Burlet durchaus dazu, dass man die Luftschützler nicht immer freudig begrüsste. Schliesslich setzte sich aber die Einsicht durch, dass der unentgeltliche und freiwillige Einsatz der vielen Tausend Männer und Frauen in der Kriegszeit unverzichtbar war.

Der Blaue Luftschutz wurde nach 1949 aufgeteilt, ein Teil ging in den militärischen Luftschutztruppen auf, der andere Teil im Zivilschutz (neu mit gelben Schutzhelmen). In seinen Schlussgedanken nahm der Referent Bezug auf die aktuellen Kriegsgebiete im Gazastreifen und in der Ukraine, wo auch die Zivilbevölkerung ins Visier genommen wird und die Einsatzmittel nicht oder nur sehr beschränkt vorhanden sind.

Videoaufzeichnung des Vortrages